Ein schlechter Sohn von A.L. Kennedy

978-3-446-24809-0_214925113943-104Was macht einen guten Sohn aus? A.L. Kennedy’s Kurzgeschichte „Ein schlechter Sohn“, die als E-Single in der Hanser Box erscheint, der neuen Digitalsparte des Hanserverlags, beginnt mit einem Rodelunfall und wird zu einem philosophischen Lehrstück. Ronald, ein wohl sonst eher braver Junge, fährt zu rasant einen Schneehügel herunter, „scheißverrückt“, sagt da der Kumpel Jim, der ihm aufhilft und ihn mit zu sich einlädt. Und dann kommt da eine Angst. Die schottische Autorin lässt diese Angst langsam an Roland heranschleichen, in kursiv gesetztem inneren Monolog. Und erst im letzten Satz deutet sich an, dass aus der Angst eine Stärke werden könnte. Dass der gute Sohn ein schlechter sein sollte, um etwas Gutes tun zu können. Es geht um den Ausbruch aus der genormten Identität, um ein eigenes Selbst und damit auch die Umwelt zu formen. Zuletzt setzte sich A.L. Kennedy für die Unabhängigkeit Schottlands von England ein: Es würde „die Hoffnung ausdrücken, dass schottische Wähler es schaffen können, ein Land hervorzubringen, das sie verdient haben“. Auch wenn das Referendum mit „Nein“ ausging, scheint es für die Autorin immer einen Versuch wert zu sein, den Status Quo verändern zu wollen.

A.L Kennedy: Ein schlechter Sohn. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Carl Hanser Verlag in der Hanser Box, Oktober 2014. 1,99 Euro.

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