Leipziger Buchmesse: Blog-Rundschau

Es ist fast unmöglich, von der Leipziger Buchmesse zu bloggen. Denn ein offenes Presse-WLan gibt es nicht. Das Pressezentrum liegt ab vom Schuss. Die Smartphone-Netze werden durch zu viele Messewände niedrig gefiltert. Ich habe auf der Messe zwar ab und zu Tweets verschickt, aber immer kam die Meldung zurück „Tweet konnte nicht gesendet werden, er wurde gespeichert“. So oder so ähnlich ist es frustrierend.

Also Hut ab für alle, die es dennoch geschafft haben: Margarete Stokowski wie immer charmant und bissig für die taz (mein Lieblingsbericht von ihr ist der über die erotische Lesung des Konkursbuchverlags, toll aber auch die Zusammenstellung von Cosplayern). Auf Litaffin gab es Wahrnehmungsschnipsel mit Handyfotos und den Bericht von der LitPop-Party. Die Lettrétage bloggte zum ersten Mal von der Messe, allerdings mit so viel Stoff und Formatvielfalt, dass das Blog wie eine zweite Buchmesse überfordern könnte. Da gibt es Hördichte (also gelesene Gedichte per Soundcloud), kurze Filmclips, in denen Tom Bresemann mit Bekannten einen Sekt auf Ex kippt, Lesungsberichte, Fotostrecken und, vor allem magazinige Beiträge wie den über das graphische Viertel von Florian Wacker.

Katy Derbyshire, die mit Lovegermanbooks die Speerspitze des Literaturbloggens anführt und neuerdings mit einem Blog, in welchem sie Barbesuche mit Autoren zusammenfasst, die Blogosphäre bereichert, ging unbemerkt mit Francis Nenik in den Irish Pub in Leipzig. Nenik gewann beim Edit-Essaywettbewerb den zweiten Platz, lebt bäuerlich auf dem Land, trägt ein Pseudonym und niemand weiß, wie er aussieht. Außer eben jetzt: Katy.

Wenn ich einen Blogeintrag über die Messe geschrieben hätte, hätte ich über die Zufälle geschrieben, die mit Mobilität zu tun haben. Denn ich bin bei der Messe gefühlte hundert Mal am Forum Religion vorbeigelaufen, in dem immer irgendjemand sich über den neuen Papst gefreut hat, der ja gerade von Buenos Aires in den Vatikan umgezogen war. Den Bibelbus habe ich dieses Mal nicht gesehen, schade, aber er soll auch irgendwo gewesen sein. Stattdessen redete ich mit einem Studenten von der FH Weißensee darüber, dass er eigentlich einen Hummer, also diesen US-amerikanischen Geländewagen, zum Stand bringen wollte. Es hätte nur 1.000 Euro gekostet und es wäre die perfekte Antithese zum Buch gewesen. Aber der Professor wollte nicht. Jetzt wird der Student bildender Künstler und ich denke, er wird noch von sich hören lassen. Auch zum Ebook wäre der Hummer eine super Antithese gewesen. Ah, zu dieser Frage, dass Buch und Ebook nicht immer als Antithese zusammenhängen, hat David Hugendick etwas auf ZEIT ONLINE geschrieben.

Meine Haupterkenntnis zur Messemobilität sind die Zwischenhöfe zwischen den Messehallen. Sie sind die besten Abkürzungen, nie verstopft, immer mit guter Luft und offenem Himmel. Und sehr häufig trifft man auf den Höfen auf Freunde aus Berlin. Nur dass in Leipzig die Taschen immer schwerer sind als in Berlin.

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