Bald alle auf E?

Dieser Essay wurde zuerst auf dem Litflow-Blog gepostet.

Wenn es ums Ebook geht, stehen sich Daniel Kehlmann und Ruth Klüger sehr nahe. Der österreichische Autor, Jahrgang 1975, und die 1931 geborene Autorin sind zwei prominente Leser, die ihre Liebe zum elektronischen Buch öffentlich verkünden. Klüger schockierte den versammelten Literaturbetrieb beim diesjährigen Bachmann-Wettbewerb, als sie ihre Eröffnungsrede vom Kindle ablas. Daniel Kehlmann gestand im Juli bei einem Gespräch mit John Burnside auf dem blauen, Berliner Bertelsmannsofa, dass er ein digitaler Vielleser sei: Er schätze den Vorteil, dass ein Buch, das sein Interesse erregt habe, über den Internethandel sofort und schnell verfügbar sei. Außerdem sei ein großer Teil der Weltliteratur bereits kostenlos zugänglich. Was für eine Möglichkeit für ärmere Länder! Wenn Autoren sich zum Ebook bekennen, mutet dies in der technikfeindlichen deutschen Kulturlandschaft an wie ein Wagnis. Blogs gelten noch immer als minderwertig, das Feuilleton beschwört lieber den Duft von Buchdruckfarbe. Auf unzähligen Seiten im Netz präsentieren sich Leser mit ihren Büchern und betonen den Objektcharakter des Buches.

Alles auf E. Nach der E-Gitarre, hier in der kalifornischen Avantgarde-Metalband Fantomas Melvins Big Band, kommt das E-Buch. Foto: Janez Gerčar

Doch um mit Kehlmann zu sprechen: Ebooks sind auch eine Möglichkeit für reichere Länder. Eine Möglichkeit zum Ausmisten. Denn langsam wissen wir doch alle nicht mehr, wohin mit unseren Büchern. Die Billys sind doppelreihig beladen und wanken, wenn wir durch die Wohnungen gehen. Katrin Passig schrieb deshalb schon 2010 einen Abschiedsbrief an das Bücherregal: „Eines Tages wird man es betrachten wie heute das wändefüllende Schallplattenregal: als exzentrisches, ein wenig rückwärtsgewandtes und beim Umzug beschwerliches Wohnaccessoire.“

Das im Regal ausgestellte Buch diente in der Zeit, als Facebook, Instagram oder Pinterest noch nicht unsere Egos visualisierten, der Verlängerung und Materialisierung der Persönlichkeit, schreibt Passig. Noch gewaltiger ist die Analyse, die Nicolaus Sombart in seinem konservativen Erinnerungsbuch „Jugend in Berlin. 1933-1943“ in Bezug auf die hauptstädtischen, bildungsbürgerlichen Bibliotheksbestände wagt:

„Nicht allein was die Mittel, die zu ihrer Anschaffung und Unterbringung nötig waren, als auch was den besonderen Typ von Wissenschaft betrifft, der in ihnen getrieben wurde, gehören diese Monsterbibliotheken zu den Herrschaftssymbolen der Bourgeoisie auf dem Höhepunkt ihrer Machtentfaltung.“

Wenn die privaten Buchbestände unsichtbar werden, weil in einer Cloud oder einem Lesegerät gespeichert, verändert sich auch die Politik des kulturellen Kapitals. Sie ist nicht mehr eine der materialisierten, präsentablen, ledergebundenen, teuren Originale. Sie ist eine der immateriellen, digitalen Kopien. Doch das Unsichtbare, Immaterielle wird in Zukunft das Sichtbare sein, weil es sich einfacher verbreiten lässt. In der Konsequenz bedeutet das: Wer seine Werke vor dem Digitalen schützt, wird über kurz über lang nicht mehr gesehen und gelesen.

Diese Kultur, ja Bildungskultur der Kopie ist in anderen Sprachräumen, etwa dem spanischsprachigen, bereits gang und gäbe. Für Verlage bedeutet das: Sie müssen mehr Aufwand in den digitalen Service stecken als in die simple Textbetreuung, also in schnelle, einfache und multiple Downloadmöglichkeiten, Empfehlungsalgorithmen, anschlussfähige Formate, etc. Bestseller entstehen nicht mehr über Großrezensionen in den Zeitungen mit Z, sondern über Klick-zu-Klickpropaganda auf Blogs, Leserplattformen wie Readmill, Online-Lesezirkeln oder in den sozialen Medien.

Das Laptop wärmt den Schoß

Mittlerweile sind die bereits so sehr mit unserem Alltag verwachsen und so sehr ist unsere Selbstwahrnehmung eine elektronische, dass das Berühren unserer Smartphones morgens und abends noch vor dem Berühren unserer Liebsten steht. Intimate Computing, heißt das. Wenn wir daher über Ebooks reden wollen, müssen wir zunächst über das Trägermedium reden, das nicht mehr das weiße Blatt ist, sondern das vernetze Gadget.

Dieses ist uns gleichzeitig nah, weil es uns ein Guckloch in die Onlinewelt eröffnet, als auch fern, weil es uns nicht an sich heranlässt. Es bleibt immer Blackbox, weil sein Innerstes sich nur vor den eingeweihten Few (den Programmierern) nach außen kehrt . Die emotionale Beziehung zum digitalen Arbeitsgerät ist also eine einseitige, sie reicht immer nur vom Nutzer zum Benutzten. Das Gerät ist stumm und tot, auch wenn die Stromlampe blinkt, auch wenn der Akku des „Laptops“ unseren Schoß wärmt. Es macht uns höchstens abhängig von uns selbst, indem es uns immer besser vorzugaukeln scheint, was uns gefällt – etwa in Amazonkaufvorschlägen oder Seitenleistenanzeigen bei Google.

Noch mehr: Diese so stummen Geräte, die kleinen Spione sind bereits die allwissenden Erzähler unserer vernetzten Wege geworden, weil sie sich alle unsere Spuren merken – sie sind unsere heimlichen Biographen, sind gar die nächsten Autoren. Sie werden sich eines Tages besser an das erinnern, was wir gelesen, geschrieben, gekauft haben, als wir selbst. Sie sind der Speicher unserer persönlichen Vorlieben und Verhaltensweisen, das zukünftige Alltagsarchiv der Bevölkerung. Unsere Leser-Daten sind dabei das immaterielle Kapital, das sich, auch von Verlagen, ausschlachten ließe.

Ebook ist Zukunft

Nicht, weil die Verlage diese Entwicklung vorangetrieben haben, (sie denken immer noch, dass die digitale Version eines Hardcovers mit 15,99 Euro ein tolles Angebot ist), sondern weil die Technologiekonzerne ihre Geräte immer besser verbreitet haben, werden die Ebooks das gedruckte Buch in naher Zukunft ablösen oder mindestens überholen. Amazon hat im Herbst 2011 aggressiv den Kindle beworben. DerWeltbild-Verlag vermeldete für 2011 den sechsstelligen Verkauf eigener Lesegeräte, der Smartphone- und ipad-Absatz steigt und steigt.

Die logische Folge: Der Verkauf digitaler Bücher nimmt ebenfalls zu, wenn auch in noch bescheidenem Maße. 2012 erwartet man einen Umsatzanteil von 1,2 Prozent, für 2015 bescheidene 3,5 Prozent. Die ökonomisch relevante Frage lautet, für welche E-Lektüre wir in Zukunft Geld ausgeben werden. Und welche Rolle, Autoren, Lektoren und Verlage in diesem Buchstaben-Monopoly spielen werden, kurz: wie sich der Betrieb neu sortiert. Eine weitere ökonomisch relevante Frage ist der kostenlose Zugang zu digitaler Kultur – was nicht bedeutet, dass digitale Kultur immer kostenlos sein muss.

Erst wenn das Recht auf W-Lan als Menschenrecht anerkannt wird, wenn Staaten sich dazu verpflichten, freien Netzzugang für ihre Bürgerinnen und Bürger etwa auf öffentlichen Plätzen zu gewährleisten, wird erstens der digitale Graben kleiner und zweites ein großes Marktpotenzial eröffnet.

Alte Bücher können auch als Lampenfuß dienen. „Fathom“ des britischen Künstlers Bill Woodrow.

Baut die Regale ab!

Je mehr Leser online sind, je mehr digitale Lesegeräte verkauft werden, desto mehr Bücherregale und Zeitungsständer werden abgebaut. Wir werden unsere Bibliotheken, Magazine, Zeitschriften und Manuskripte auf Ereadern herumtragen. Damit sparen wir Wohnraum, Kraft, Geld – aber wir verbrauchen logischerweise auch mehr Strom. Daher sollten zukünftige digitale Lese- und Schreibgeräte nur noch mit Solarstationen zusammen verkauft werden, heute gibt es diese bereits von der Firma Changers. So wie früher nur bei Tageslicht oder Kerzenschein mit Text hantiert werden konnte, wird in Zukunft nur bei selbst produziertem Strom gelesen. batteriebetrieben, wenn etwa der Strom ausfällt.

Das Ebook wird ein Buch sein, das in verschiedenen Klassen daherkommt – so wie heute der geheftete Arztroman, das Taschenbuch oder das Hardcover im Leineneinband nebeneinander existieren. Die einfachste Form ist der digitale Text, der in den jeweiligen Programmiersprachen (epub, mobi) für ein Lesegerät aufbereitet wird: Er lässt sich durchblättern wie ein Buch, mit Lesezeichen versehen und unterstreichen – und das ist es dann auch schon. Strenggenommen sind auch Worddokumente oder PDFs, die sich auf einem Bildschirm lesen lassen, Ebooks. Auch Webseiten sind Ebooks, sie benutzen ja sogar einen ähnlichen Code. Da wir sowieso schon online lesen, ist der Sprung zum Lesen auf einem mobilen Lesegerät also gar nicht so groß.

So schön kann auch E-Lesen sein. „Liseuse“ von Charles de Steuben.

Enhanced Regenrauschen

Großen Wind machen allerdings derzeit die Multimedia-Möglichkeiten, die sich in oder um den digitalen Text bauen lassen können: Da liest etwa der Autor sein Buch in einer Audiodatei, die dem Text beigefügt ist, selbst vor, ein Video zeigt einen Schauplatz der Handlung, und wenn es im Text regnet, erklingt Regenrauschen.

Die vielen technischen Kapriolen, die solch ein enhanced Ebook bietet, machen aus dem Buch ein Spiel. Ein Beispiel dafür ist eine App, die zu Charles Dickens’ 200. Geburtstag im Februar 2012 vom Museum of London herausgegeben wurde. Sie führt in virtuellen Spaziergängen anhand von Textbeispielen des britischen Autors durch sein „Dark London“. Monatlich sollte eine neuen Variante, zu einem anderen urbanen Thema herauskommen. Nach der ersten Version ist bisher aber nichts nachgekommen. Denn Multimedia ist sicherlich eine große Chance für historische Romane, Sachbücher, Enzyklopädien und alles, was mit Wissen, Lernen, Bildung zu tun hat, aber es ist auch wahnsinnig aufwändig und teuer – genau das, was ein simples Ebook eigentlich nicht ist.

Der nächste enhanced Lektor wäre damit beschäftigt, Extra-Inhalte zum Text zu finden und zu produzieren. Würde er noch traditionell lektorieren? Der Verlag sollte viele, viele Programmierer anheuern, die Lektoren in „Multimedia Producer“ und die Autoren in „Multimedia Narrator“ umbenennen. Alle Jobbeschreibungen würden sich ändern.

Ich finde es genauso spannend zu überlegen, was enhanced-Produkte in der belletristischen Leseerfahrung verändern. Will ich wirklich mit dem Helden, der Heldin eines Buches in Kontakt treten und mit ihm chatten, über meine Geo-Daten zur Handlung passende Produkte in nahe gelegenen Läden angeboten bekommen, etwa Schweizer Käse, wenn ich „Heidi“ lese, oder ein Schnittmuster für ein Brautkleid, wenn ich im Grimmschen „Aschenputtel“ schmökere?

Enhanced reading bedeutet, die fiktiven Welten ständig mit meiner analogen Wirklichkeit zu vermischen, abzugleichen, ständig vom Text abzulenken und am Ende das Phantastische, das Versinken in eine andere Welt, zu verhindern. Die Frage ist doch, wie kann der Leser auf E so in seiner Lektüre versinken, wie die Mönche einst vor ihren Folianten im Kloster, wie eine im Briefroman lesende Dame des 18. Jahrhunderts? Oder ist das gar nicht mehr gewollt? Welche Literatur funktioniert auf E? Gut verkaufen sich in Deutschland bisher die klassischen Sparten der U-Literatur: der Krimi, Erotisches wie „Shades of Grey“, Liebesschnulzen, Fantasy, Science Fiction, Ratgeber; in diesem Feld treibt sich etwa auch der neue digitale Verlag dotbooks herum.

Wissenschaftsverlage setzen bereits auch auf das E, denn sie müssen dann nicht für ein paar Experten kleine Spezialauflagen drucken und erreichen trotzdem leicht die weltweite Science Community. Oxford University Press will gar in den nächsten sechs Jahren teilweise vergriffene, textkritische Ausgaben von Studientexten digitalisieren. Damit wird bereits vorhandenes Wissen zugänglich gemacht, konserviert und weiter verwendet. Und wieder verkäuflich! In der Übergangszeit werden auch Kombipackungen gut funktionieren: Wer 10 Ebooks kauft, bekommt einen Ereader für 10 Euro. Wer einen Roman kauft, bekommt die digitale Version für ein paar Euro hinterhergeschmissen.

My Year in Status und Twitterature

Es ist recht wahrscheinlich, dass neue literarische Formen entstehen werden, die nur auf E funktionieren. Schon heute lässt sich an ein paar Beispielen ablesen, wie sich unser digitales Dasein abseits vom klassischen Buch erzählen lässt. Das Facebook-Plugin „My Year in Status“, mit dem jeder Facebook-Nutzer am Ende eines Jahres seine ausgewählten Status-Einträge zu einem einseitigen Dokument zusammenfassen kann, weist in diese Richtung. Denn da wird das Facebook-Ich in ein einseitiges Telegramm über ein Selbst eingepasst.

Noch weiter geht die seit einigen Jahren entstehende Twitter-Literatur. 2009 erschien bereits der Band „Twitterature“, der Werke der Weltliteratur auf 140 Zeichen herunterbricht, mehrere Jahre schon veröffentlicht das Web-Literaturmagazins Mumuu House die herausragenden Tweets befreundeter Autorinnen und Autoren, gerade erst kam „140 Characters“ heraus – so genannte nanofiction des britischen Autors Simon Sylvester bei Cargo Publishing. Man sieht: Die literarische Produktion wird eingepasst in die Vorgaben digitaler Plattformen, in diesem Fall in die des Kurznachrichtendienstes Twitter. Twitter ist in den genannten drei Beispielen die Bedingung der Möglichkeit für ein literarisches Schaffen. HTML-Codes sind unser Papyrus, unsere Schiefertafel, unser Papier, ohne die das Schreiben gar nicht möglich wäre.

Wie sieht eine Facebook-Literatur aus? Wie viel „Mag ich“-Knopfdruck verträgt eine Kurzgeschichte? Oder, nochmal Kehlmann: „Inwiefern verändern neue Medien die Art und Weise, was wir erzählen, weil sich der Alltag der Protagonisten ändert? Weil man sich nicht mehr aus den Augen verlieren kann, funktioniert der große Abschied nicht mehr.“ Da unser Denken ebenfalls immer öfter vom Widerschein des geöffneten Browserfensters oder Touchscreens erhellt wird, wird es somit auch immer stärker in vorprogrammierte Bahnen gelenkt. Wir leben, erleben und erdenken „nano“-Stories, wie Bill Wasik die Mini-Narrative nennt, die sich schnell viral verbreiten, die aber auch ebenso schnell sterben. Diese nano-Stories lenken unsere Aufmerksamkeit häppchenweise, machen unsere Gehirne kaputt, wie Frank Schirrmacher ja bereits befürchtete, verwässern unsere Konzentrationsfähigkeit und könnten wohl wirklich ein Grund dafür sein, dass Jugendlichen heutzutage 50mal mehr Ritalin verschrieben wird als in den 1990er Jahren. Aber sie unterhalten uns auch. Wie ein gutes Buch sind sie eine gute Lektüre.

Social reading

Das Ebook ist sogar weitaus mehr als ein Lesetext, denn es kann den Lesern ermöglichen, miteinander in Kontakt zu treten wie auf einer sozialen Plattform. Das so genannte social reading lässt Randnotizen anderer Leser sichtbar werden, verbindet mit den digitalen Bibliotheken ähnlicher Leser oder lässt mit Parallellesern einen Buch-Club führen. Verlage müssten sich ganz anders um Leser-Netzwerke kümmern als sie es heute tun, u.a. könnten sie Leser als Lektoren einbinden, so wie es etwa der englische Verlag And Other Stories bereits versucht, sie könnten durch crowdfunding die Buchproduktion finanzieren wie es wohl Sascha Lobo mit Sobooks vorhat und wie es die englischsprachige Plattform Unbound bereits, allerdings für gedruckte Bücher, anbietet.

Diese Beispiele könnten vermuten lassen, dass es – wie auch Stephan Porombka meint – zu einer verstärkten kollektiven Buchproduktion kommen wird. Ja – und nein. Denn erstens ist das Buchmachen derzeit auch schon ein kollektiver Prozess. Und zweitens werden Einzelkämpfer und kleine Verlagsneugründungen den großen Häusern Konkurrenz machen, weil die Digitalisierung die Produktionsmittel in die Hand des Individuums legt.

Cover der 15 im Eigenverlag publizierten Geschichten des Spreeblickbloggers Johnny Häusler.

Um ein Ebook herzustellen, benötige ich nur einen Computer, ein wenig HTML-Wissen und natürlich einen Text. Den Vertrieb erledige ich über bereits bestehende Plattformen wie Amazon, itunes oder epubli, Marketing betreibe ich über mein Profil in sozialen Netzwerken. Das kostet zwar Zeit, aber die Margen, die ich am Buch verdienen kann, sind weitaus größer als wenn ich in einem klassischen Verlag publiziere. Selfpublishing, das auf der Buchmesse in New York bereits ein vieldiskutiertes Thema war, ist auch im deutschsprachigen Betrieb im Kommen.

Jüngst verlegte etwa der bekannte Berliner Blogger Johnny Häusler seine witzigen und sehr lesbaren fünfzehn Geschichten „I live by the river“ im – eigenen – Spreeblick-Verlag. Auf seinem Blog hat er den Aufstieg seines Ebookexperiements in die amazon und itunes-Charts minutiös festgehalten. Im Grunde genommen sind das Revolutionäre des Nur-Text-Ebooks seine geringen Herstellungskosten und sein neuartiger Vertrieb, der ganz ohne Lagerräume und Vertreter auskommt. Eine Datei kann prinzipiell die gesamte Welt, bzw. einen gesamten Sprachraum erreichen.

Darauf hoffen beispielsweise die lateinamerikanischen Verlage, die bisher vom spanischen Buchmarkt ferngehalten wurden. Eine große Marktchance sind auch bilinguale Leser, wie etwa die Hispanics in den USA, die Barnes&Noble mit einem eigenen spanischsprachigen Ebook-Shop anspricht (hier Patricia Arancibia, Managerin of International Content at US bookseller Barnes & Noble’s Digital Group, im Interview). Der Leser von Ebooks ist ein globaler, der sich seine Bücher unabhängig von seinem geographischen Standpunkt herunterlädt.

Poster der ersten umfassenden Schau der Buchindustrie. Wann präsentiert sich die Ebook-Industrie in einer Einzelschau?

Der nächste Schub fürs Ebook in Deutschland wird von den Ebook-Vertrieblern kommen. Sie werden in diesem Jahr immer wieder Bannerwerbung auf den einschlägigen Kultur-Webseiten schalten, damit jeder sie auf dem Bildschirm hat, vor allem die europäischen oder deutschen Gründungen wie der europäische Buchvertrieb txtr.com, die deutsche Plattform libreka.de oder die neue digitale Leihbibliothek skoobe. Die internationalen, vor allem englischgeprägten Branchengiganten wie der ibook-Store oder amazon kümmern sich derzeit eher um den Konkurrenzkampf der hauseigenen Lesegeräte: Ipad vs. Kindle. Wenn die Verlage, nicht ganz unbegründet, befürchten, dass sich in der nahen Zukunft ein paar Webportale als Ebook-Monopolisten aufspielen, könnten sie selbst ja auch ein bisschen mehr in Richtung Elektronik tun und die digitalen Versionen ihrer Produkte auf den Verlagswebseiten anbieten.

Dem Leser ist zuzutrauen, dass er ein Buch, das er gerne habe möchte, auch auf der Verlagsseite sucht und findet. Wie sich die Buchhändler zum Ebook-Verkauf stellen, bleibt abzuwarten. Aber vorstellbar wäre zum Beispiel eine Ebook-Tankstelle in jeder Buchhandlung, die eine Auswahl an Werken verfügbar hält, also die klassischen Leserempfehlungen des Buchhändlers, mit der direkten Verbindung zur Kasse.Wir werden bald alle auf E sein, so wie wir heute schon alle online sind.Und für alle, die davor Angst haben: Natürlich werden auch weiterhin Non-Ebooks veröffentlicht und verkauft.

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