Aus dem Buchhandelsleiden wird gerade niemand klug

Endlich. Die sich ändernde Rolle des Buchhandels in Zeiten digitaler Bücher wird – verhandelt. Und zwar mit einer Kolumne des Börsenblatt-Chefredakteurs Torsten Casimir – im Börsenblatt. Online. Er ahnt „unordentliche Verhältnisse“, wenn die Arbeitsteiligkeit zurückgenommen wird, wenn also der Autor, etwa der selbstpublizierende, nun auch sein eigener Verlag und Auslieferer wird. Casimir befürchtet weiterhin ein „kaum sichtbares Risiko“, wenn das Buch nicht mehr vom Buchhändler vermittelt wird. Aber weiß er nicht, dass das Buch heute schon von Amazon-Algorythmen und -Rezensenten mehr besser als schlechter vermittelt wird? Dass Berliner Startups wie das schwedische Readmill oder das deutsche Readgeek Lesercommunities aufbauen wollen, die sich gegenseitig auf Bücher hinweisen, wahrscheinlich freundschaftlicher und passgenauer, als jeder Buchhändler es könnte? Das Netz kümmert sich nicht so richtig um die, nennen wir sie mal, physischen Kontaktstellen.

Da passiert dann das Folgende, nämlich dass sich der Buchgroßhändler Libri

mit seinem elektronischen wie auch physischen Buchangebot auf eBook.de an dieselbe Endkundschaft richtet wie der Bucheinzelhandel, (Casimir)

und damit seinen eigenen Kunden Konkurrenz macht. Wie gemein. Darf der das? Ja, er darf.

„It’s not a revolution when nobody loses“, schrieb der New Yorker Medientheoretiker Clay Shirky schon 2008 in seinem Buch „Here comes everybody“: Verlierer sind ihm nach die Arbeiter in den Industriezweigen der Verlagsindustrie, die Journalisten und diejenigen, die darunter leiden, wenn böse Menschen die neuen Veröffentlichungswege nutzen. Laut Shirky ist es also eine zwingende Folge der Medienrevolution, dass sich Arbeitsprozesse, also auch -teilungen neu organisieren.

Das bedeutet: Der klassische Sortimentsbuchhandel verändert sich und leidet; und er muss sich von innen heraus verändern. Dazu lese ich leider viel zu selten etwas im Börsenblatt. Fast täglich wird allerdings von dort vermeldet (Börsenblatt-Newsletter), dass sich die Buchhandelsketten mit Non-Books (Schürzen, Spiele, Stifte) neu aufstellen wollen. Buchhändler, kommt aus dem Knick! Probiert euch aus! Ich bin mir so sicher, dass die Leser keine Non-Books wollen, sondern Bücher, digitale und gedruckte. Arbeitet als Laden mit selbstpublizierten Autoren eurer Nachbarschaft zusammen, die ihr über die Orte-Suche bei Twitter findet, diskutiert als Buchhändlerinnen über neue Bücher auf Facebook, stellt eure Lieblings-Ebooks auf eure Webseite. Zum Beispiel. Mehr Ideen, bitte!

Aktualisiert am 15. November:

Börsenblatt-Ideen für den nächsten Buchhandel: eine Metadatenbank, die die Buchhändler differenziert, je nach Kontext, nutzen können, und ein neuer Ausschuss für Ecommerce und Ebooks. Vielleicht kamen meine Unkenrufe zu früh.

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